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KBVMesse Versorgungsinnovationen 2010
Dr. Köhler: Die innovative Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen und Versorgungsprozessen ist das Hauptthema dieser Messe. 32 Projekte aus ganz Deutschland stellen sich Ihnen heute vor."
Daniel Bahr: Im Wettbewerb ist es aber so, dass nie der Große den Kleinen schlägt. So ein Wettbewerb bedeutet immer, dass der Schnelle den Langsamen schlägt. Deswegen darf ich mir das nicht verkneifen, Herr Köhler, dass ich es schon bemerkenswert finde, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit diesen Tagen denen ein Forum bietet, die vielleicht die kleinen Schnellen sind."
Dr. Köhler: "Ist das eine verkehrte Welt, wenn die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine solche Messe ausgestaltet? Ist es eine neue Welt: als Vertragspartner darf das KV-System, die Kassenärztlichen Vereinigungen derzeit nur an wenigen ergänzenden Vertragsformen teilnehmen? Und dennoch verstehen wir uns als Gestalter und wollen mit dieser Messe unsere Vorstellungen von einer zukunftsfähigen Vorsorgung öffentlich machen. Wir brauchen einen Wettbewerb um Innovationen, zu denen alle Akteure Zugang haben sollten, alle Versicherte, alle Leistungserbringerstrukturen und nicht nur einige. Und wir müssen uns eingestehen, dass es eine, wie auch immer geartete operative Kraft braucht, um neue, erprobte Versorgungskonzepte in die Fläche zu tragen. Krankenkassen und Ärzteverbände versuchen dies. Und die Kassenärztlichen Vereinigungen machen es.
Daniel Bahr: "Wir haben ganz unterschiedliche Versorgungsstrukturen. Wir haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Denen gerecht zu werden, wollen wir auch unterschiedliche Bedingungen zulassen und wollen wir die Freiheit vor Ort, in den Regionen zulassen, auch unterhalb der Ebene eines kassenärztlichen Versorgungsbezirkes.
Dr. Köhler: "Wie viel Ungleichheit verträgt das System GKV? Wie ist das denn, wenn der Patienten nur bei der Mitgliedschaft in der richtigen Krankenkasse in den Genuss von Innovationen kommt, wenn bestimmte Regionen und deren Versicherte, die den Wohnort in diesen Regionen haben, an wichtigen Entwicklungen nicht mehr teilnehmen, weil auf Grund der Bevölkerungsdichte, der Altersstruktur, der Morbidität oder sozioökonomische Aspekte solche Bereiche für innovative Versuchsmodelle nicht mehr lukrativ sind."
Daniel Bahr: Wir wollen nicht ein Infragestellen des Kollektivvertrages, weil der Kollektivvertrag Vorteile hat, die wir unbestritten auch weiterhin brauchen. Aber auch ein Kollektivvertrag braucht aber vielleicht auch einen gelegentlichen Schubs von außen, so dass es in den Regionen durch Selektivverträge auch andere Ideen gibt, die den Kollektivvertrag gelegentlich auch mal darauf stoßen, etwas anders machen zu können."
Dr. Köhler: Ich sehe uns immer so, dass wir ein Schienennetz zu verantworten haben, auf dem bereits Züge fahren. Wir wollen aber auch innovative Züge draufsetzen und dabei sind wir durchaus offen und sagen, wir wollen auch Innovationen, neue Vorsorgungsformen, die bisher nicht von der KV mitorganisiert wurden, kennenlernen. Derzeit erleben wir ja die Diskussionen im organisierten Notfalldienst. Das ist zum Beispiel ein solches Schienenteil. Das stellen wir kassenartenübergreifend und rund um die Uhr sicher. Das funktioniert auch bei derzeit über 70 Millionen Fällen im organisierten Notfalldienst relativ gut. Wenn ich Selektivverträge als populationsbezogene Vollversorgungsverträge definiere, müssten diese doch eigentlich auch solch einen Notfalldienst sicherstellen."
Daniel Bahr: Vorsicht! Also wenn Sie sagen, dass wir mehr und mehr Aufgaben, die bisher den Körperschaftsstatus und die Pflichtmitgliedschaft (einige sagen Zwangsmitgliedschaft) in der Kassenärztlichen Vereinigung rechtfertigen, wenn man diese Aufgaben auch auf andere überträgt, (wenn Sie das wollen,) dann müssen Sie aber ehrlicherweise sagen, dass das eigentlich der Beginn des Auflösungsprozess der Kassenärztlichen Vereinigungen ist.
09.04.2010
Die KBV hat erstmals eine dreitägige Messe zum Thema Versorgungsinnovationen veranstaltet. Projekte, Konzepte, Diskussionsrunden, Vorträge und Seminare rund um eine verbesserte Patientenversorgung präsentierten sich hier den Besuchern.
Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Köhler, und der Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Daniel Bahr (FDP), eröffneten die KBVMesse mit einem sogenannten Impulsdialog.
KBV Messe Versorgungsinnovation 2011
Die KBV Messe Versorgungsinnovationen 2011 präsentiert vom 3. bis zum 5. Mai in Berlin sektorenübergreifende Versorgungsmodelle.