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Mythos Fußballarzt

Der Heiler auf dem Platz

Bewertung: 6.3

Länge: 2:58 min  |  KBV

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Mythos Fußballarzt

Interview mit Prof. Thomas Schnalke, Direktor des Medizinhistorischen Museums der Charité in Berlin

 

Heldengeschichten

Ein denkwürdiges Spiel Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg 1982: Da köpft Dieter Hoeneß in der Verlängerung das entscheidende Tor ein – für den FC Bayern damals – und das tut er mit einem Turban. Kurz zuvor hat es eine Verletzung gegeben, der Arzt hat ihm bei der klaffenden Kopfplatzwunde einen Verbandturban angelegt, der schon durchgeblutet war, und in der entscheidenden Situation, ganz zum Schluss, am Ende des Spiels, in der Verlängerung, köpft also Dieter Hoeneß mit diesem Turban unter dem Schmerz, der ihn natürlich dann auch noch bedrängt, das entscheidende Tor ein – das ist so eine Szene, eine Urszene, die eigentlich sehr stark zeigt, was Medizin auf dem Fußballfeld auch kann.

 

Legenden und Mythen

Der Mythos des Fußballarztes hat vielleicht auch einen gewissen Grund. Denn er agiert ja vor einem Millionenpublikum oftmals, also man sieht den Einsatz des Arztes am Fernseher und im Stadion, 80 000 Besucher des Spieles; beobachten den Arzt, wie er sozusagen im Moment in Aktion tritt und er muss das sehr spontan tun – ohne dass er vorher im Sinne eines Theaterstückes diesen Plot eingeübt hat. Sondern er muss im Augenblick seine ganze Kunst zum Einsatz bringen.

 

Spielfeldpraxis

Was der Spieler wissen möchte, in der Situation, ist: Habe ich was? Der Schmerz ist da, wie lange dauert der Schmerz? Wann kann ich weiterspielen? Das sind die drei Kardinalfragen, die der Arzt dem Spieler sofort beantworten muss. Also die Kernfragen, die immer zu jeder, in jedem Augenblick in der Arzt-Patienten-Beziehung eine Rolle spielen, verdichten sich auf dem Fußballplatz in einer Kernsituation von 60, 80, 120 Sekunden.

 

Röntgenblick

Er muss auf jeden Fall sehr erfahren sein und einen guten Blick für die Situation haben; er beobachtet ja vom Spielfeldrand jede Bewegung seiner Spieler und er muss sozusagen im Moment des Fouls erkennen, dass da möglicherweise eine Verletzung stattgefunden hat.

23.06.2010

Wenig Zeit, viel Publikum, großer Druck: Der Arzt spielt neben Mannschaft und Trainer bei der Fußball-WM eine Hauptrolle. In wenigen Sekunden muss er entscheiden, ob der Spieler auf dem Platz bleiben kann oder nicht. Oft hat er wahrhaft heilende Hände: Auch wenn es noch so dramatisch aussah, kaum hat der Fußballarzt den verletzten Spieler berührt, springt dieser auch schon wieder über das Feld. Prof. Thomas Schnalke, Direktor des medizinhistorischen Museums der Charité in Berlin, erklärt die Hintergründe des Mythos Fußballarzt


Medizinhistorisches Museum

Medizin und Medizingeschichte stehen im Zentrum der Dauerausstellung im Medizinhistorischen Museum der Berliner Charité. Rund 750 Objekte bilden die umfassende Sammlung pathologisch-anatomischer Feucht- und Trockenpräparate sowie Modelle und Abbildungen. Im Jahr 2006 präsentierte das Museum eine Ausstellung rund um den Mythos Fußballarzt unter dem Titel "platz.wunden".

 

Außenansicht des BMM (Quelle: www.bmm.charite.de)

Außenansicht des BMM (Bild: www.bmm.charite.de)

 

Weitere Informationen zur Ausstellung