Bewertung: 6.5
Reform der ambulanten Versorgung
Wie bewerten Sie das Positionspapier der DKG?
Das Papier hat leider mal wieder die Chance vertan, eine Kooperation zwischen Krankenhäusern (denn das DKG-Papier betrifft die Interessen der Krankenhäuser, nicht der Krankenhausärzte) und den niedergelassenen Ärzten aufzubauen. Das ist klassischerweise ein Papier, bei dem nur die Interessen der Krankenhäuser vertreten sind. Hier geht es um nichts anderes, verpackt in schönen Worten, verpackt in Gedanken, die wir durchaus in ähnlicher Weise diskutieren. Aber im Kern geht es um nichts anderes als die Interessen der Krankenhäuser im Hinblick auf eine Öffnung für die ambulante Versorgung. Deswegen kann man das Papier beruhigt zur Seite legen. Es ist kein Papier, das wirklich in die Zukunft weist. Das wird nur gehen, wenn wir uns endlich entschließen, kooperativ mit den Krankenhäusern zusammen zu arbeiten. Da gibt es bessere Konzepte, bessere Überlegungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die nur in Teilen in diesem Papier aufgegriffen sind, was ich bedaure.
Was schlagen Sie vor?
Wir wollen eine Kooperation auf gleicher Augenhöhe mit gleich langen Spießen in einem Wettbewerb, bei dem es aber auch möglich ist, dass niedergelassene Ärzte im Krankenhaus ihre eigenen Patienten behandeln, über Konsiliarverträge Krankenhauspatienten behandeln, bei dem es auch möglich ist, dass niedergelassene Ärzte stationäre Versorgungsaufgaben übernehmen und umgekehrt. Das akzeptieren wir in gleicher Weise, denn vor dem Hintergrund des Arztmangels wird beides möglich sein. Also keine semipermeable Membran, in dem sich nur das Krankenhaus für die ambulante Versorgung öffnen kann, sondern eine Durchlässigkeit, in der sowohl Niedergelassene stationäre Aufträge übernehmen können und auch umgekehrt.
Müssen Niedergelassene die Konkurrenz durch Krankenhäuser fürchten?
Es ist einfach so, dass Krankenhäuser, insbesondere die privaten Klinikketten mehr Kapital, mehr Eigenkapital, mehr Fremdkapital für eine offensive Expansionspolitik in die ambulante Versorgung hinein besitzen als niedergelassene Ärzte. Von ihrer Arbeit her hätte ich überhaupt keine Sorge, denn niedergelassene Ärzte stehen schon viel länger unter einem Rationalisierungsdruck als die Krankenhäuser, sind sehr viel flexibler im Hinblick auf ihre ärztliche Tätigkeit als der stationäre Bereich. Aber man muss einfach anerkennen, dass da mehr Kapital dahinter steht und für dieses Kapital dann auch mehr Interessen dahinter stehen, die der niedergelassene Bereich so nicht nutzen kann wie der stationäre, sprich: Wer das Geld hat, hat die Macht im deutschen Gesundheitswesen.
Vom DKG-Papier geht also keine Gefahr aus?
Nein. Ich denke, dass die derzeit in der Verantwortung stehenden Politiker und das Bundesgesundheitsministerium auf diese Chancengleichheit sehr wohl achten. Die Politik steht in der Verantwortung, das Thema des Arztmangels zu lösen und da kann sie sich keine einseitigen interessengeleiteten Strukturen leisten.
30.07.2010
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Vorschläge zu einer Reform der ambulanten Versorgung erarbeitet. Kernpunkt ist die Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Behandlungen. Nur so könne man ärztliche Versorgung in Zukunft sicherstellen, heißt es in dem DKG-Papier. Dr. Andreas Köhler erläutert im Thema der Woche, was er von den Vorschlägen hält, was das für die Niedergelassenen bedeutet und wie sich die KBV Kooperationen vorstellt.