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Gegen sexuellen Missbrauch

Ärzte und Psychotherapeuten haben Schlüsselrolle

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Welche Schlüsselrolle nehmen Praxen beim Schutz vor sexuellem Missbrauch ein?

O-Ton, Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Im Wesentlichen in zwei Bereichen. Zum einen kann sexueller Missbrauch natürlich in Praxen sozusagen entdeckt werden oder aufgedeckt werden, zum andern sind natürlich Praxen und der hohe Vertrauensvorschuss, den Patienten Ärzten und Psychotherapeuten entgegen bringen, auch ein Ort, wo das thematisiert wird. Der Fakt, dass eben Ärzte und Psychotherapeuten bei Patienten oder Versicherten einen extrem hohen Vertrauensvorschuss genießen, lässt natürlich auch dann erahnen, dass im Zweifel auch diese Stellen von den Betroffenen in Anspruch genommen werden, um ihr Problem mit einer Person zu besprechen, der sie vertrauen und vertrauen können an der Stelle.“

Was, wenn der Arzt Hinweise auf Kindesmissbrauch entdeckt?

O-Ton, Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Für den Arzt ist das natürlich immer eine schwierige Situation. Zum einen muss man natürlich sicher sein, dass man auch wirklichen Missbrauch entdeckt hat und nicht Missbrauch unterstellt, wo am Ende wirklich keiner vorliegt. Weil das wäre ja auch desaströs. Auf der anderen Seite darf man natürlich auch die Warnzeichen nicht übersehen, auch das ist schwierig und erfordert eine gewisse Erfahrung. Es ist also insgesamt ein hochsensibler Bereich, in dem man sich als Arzt oder Psychotherapeut dann bewegt.

Was ist dann zu tun?

O-Ton, Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das ist natürlich wirklich situativ abhängig. Beispielsweise im Fall des Kindesmissbrauchs, wenn man sich an der Stelle relativ sicher ist, kann man natürlich die entsprechenden Stellen einschalten. Möglicherweise sind sogar die Eltern jemand, die man mit einschalten muss, weil die vielleicht von dem Missbrauch auch noch nichts wussten. Es ist ja nicht immer zwangsläufig beim Kindesmissbrauch, dass es die eigenen Eltern waren sondern mitunter sind es ja ganz andere Personen. Insofern sind die Eltern gegebenenfalls natürlich unbedingt mit einzubeziehen. Und hier erfordert es sehr viel Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung, um hier den richtigen Anspruch zu finden.“

Welche Rolle spielt hierbei Vorbereitung?

O-Ton, Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Da man ja letztlich nie weiß, ob und wann man mit dieser Thematik konfrontiert wird, macht das sicherlich Sinn sich darüber zu orientieren, welche Ansprechpartner es regional gibt, welche Angebote es beispielsweise von Kammern, von KVen, von anderen Organisationen gibt, damit im Falle eines Falles nicht viel Zeit durch lange Erkundigungen verloren geht, sondern man relativ schnell auch in der Lage ist, Hilfe zu leisten.“

Was geschieht mit den Ergebnissen aus der Befragung?

O-Ton, Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Die anonymisierte Befragung wird dann ausgewertet und hoffentlich Erkenntnisse liefern, wo noch Aufklärungs- und Informationsbedarf oder wo zusätzliche Hilfsangebote notwendig sind. In diesem Zusammenhang möchten wir die Kollegen auch noch mal dafür sensibilisieren, dass sie auch an der Befragung, die jetzt an ausgewählte Fachgruppen rausgeht, entsprechend teilnehmen und hier Rückmeldung machen.“

05.10.2016

1.000 Praxen werden zum Umgang mit und Schutz vor sexuellem Kindesmissbrauch befragt.
Den Auftrag hierfür hat der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig erteilt. Ziel ist es, einen Überblick darüber zu erhalten, inwieweit sich Praxen mit dem Thema "Prävention von sexualisierter Gewalt" beschäftigen und wo gegebenenfalls Unterstützungsbedarf besteht. Im Interview gibt der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen einen ersten Einblick und bittet um Unterstützung für die Befragung.