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Demenz

Thema der Woche: Gemeinsam versorgen

Bewertung: 10

Länge: 4:08 min  |  KBV

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Thema der Woche: Demenz

Dr. Angelika Prehn, Allgemeinmedizinerin und Vorstandsvorsitzende der KV Berlin

 

Aus der Praxis: Demenz

Demenz ist ein großes Thema in unserer hausärztlichen Praxis. Wir betreuen ja oft die Patienten über Jahre, und es ist natürlich ein Vor- und ein Nachteil, wenn wir sie so lange betreuen. Ein Vorteil ist, dass wir ihre Entwicklung mitmachen und auch sehen können, wann sie sich verändern. Ein Nachteil ist, dass die Patienten uns immer wieder was erzählen und wir doch oft gar nicht merken, dass sie dement werden. Sie erzählen uns auf unsere Fragen, wie es ihnen geht, ob sie sich mit der Familie treffen. Und dann fällt es uns nur auf, wenn die Töchter oder die Söhne kommen und sagen, die Mutter vergisst viel, die Mutter macht alles anders. Das merken wir manchmal nicht in der Praxis und sind sehr, sehr froh, wenn die Angehörigen dafür ein Auge und ein Ohr haben, und merken, wenn ihre eigene Mutter oder ihr eigener Vater sich verändern.

 

Wie sagen Sie es dem Patienten?

Wir gehen immer sehr vorsichtig ran. Wir sagen erstmal dem Patienten, dass natürlich im Alter einiges nachlässt, dass man sich noch mal beobachten soll, ob es wirklich nur Nachlässigkeit ist oder ob es wirklich anfängt, dass der Patient dement wird. Da gibt es ja verschiedene Vorstufen, aber ich schicke den Patienten immer noch mal zum Neurologen und Psychiater, damit ich es auch bestätigt bekomme. Sie haben besondere Methoden, um heraus zu bekommen, wie weit die Patienten schon in dem fortgeschrittenen Krankheitsbild sind und uns dann auch noch Hinweise geben oder medikamentös Patienten behandeln.

 

Wie kann Demenz vorgebeugt werden?

Dazu zählt natürlich, das, was man für andere Krankheiten auch hat. Eine gute Lebenserwartung hat man dann, wenn man sich gut ernährt, wenn man sich viel bewegt, wenn man ein bisschen Sport macht. Sport ist im Alter auch schon mal Staubwischen. Das ist überhaupt kein Problem. Und wenn man sich natürlich auch geistig ein bisschen betätigt. Das ist dann leider bei den älteren Herrschaften, wenn sie dann allein sind in der Wohnung, und wir haben ja leider sehr viele Singles, gerade in Berlin haben wir über 50 % Singles, dass sie dann quasi vereinsamen, nicht mehr viel reden, nicht mehr viel Zeitung lesen oder nur eine Überschrift, diese nicht wiederholen und gar nicht den Sinn erfassen. Das müssen wir fördern, es als Arzt dem Patienten quasi als Aufgabe mitzugeben. Oder Kreuzworträtsel können sie auch lösen. Es ist auch egal, was sie machen, Hauptsache ist, sie beschäftigen sich.

 

Welche Rolle spielt die Familie?

Wenn die Familie das erste Mal in einem solchen Thema ist, dass einer in der Familie, meinetwegen die Mutter dement wird, wird es eine große Aufgabe für sie sein, die Mutter zu verstehen, zu führen und zu lenken. Es ist unheimlich schwierig, deshalb versuchen wir so lange wie möglich, die Familie zu integrieren und ihnen das klar zu machen, dass, wenn die Mutter plötzlich die Kinder nicht mehr erkennt, dass es eine ganz schlimme Sache ist, aber wir ihnen trotzdem helfen müssen und die Patienten zu Hause zu behalten, denn, wenn man sie plötzlich in ein Heim versetzt, weil es die Kinder nicht mehr schaffen, wird es noch viel schlimmer. Wenn man 40 Jahre eine Schalter betätigt hat, hat man das auch noch lange drin, auch wenn man dement ist, aber wenn ich dann plötzlich in ein anderes Zimmer komme und der Schalter ist nicht mehr hier, sondern da, dann geht gar nichts mehr. Und dann wird es noch viel, viel schlimmer.

24.09.2010

Ein gemeinsamer Versorgungsansatz stand nicht nur im Fokus der diesjährigen Kooperationstagung; er liegt auch der Vorstandsvorsitzenden der KV Berlin sehr am Herzen. Dr. Angelika Prehn legt großen Wert darauf, bei der Diagnose die Beobachtungen der Angehörigen einzubeziehen. Sie fordert aber auch, Demenzpatienten so lange wie möglich zuhause zu betreuen.