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Meine Meinung zum Antibiotikaeinsatz

"Behutsam mit diesen sehr guten Medikamenten umgehen."

Bewertung: 10

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Welche Probleme in Bezug auf Antibiotika sehen Sie?


Dr. Petra von Saurma: „Das ist die Resistenzbildung, die sich in den letzten Jahren zeigt und die ich auch im Täglichen sehe. Ich habe zum Beispiel einige Frühgeboren in Behandlung, die aus den Frühgeburten-Kliniken kommen und betroffen sind von multiresistenten Keimen. Ich kenne Erwachsene in meinem Umfeld, die betroffen sind von multiresistenten Keimen. Das ist das große Problem, das zunimmt. Dieser Situation müssen wir uns stellen.“



Wie gehen Sie mit der Situation um?



Dr. Petra von Saurma: „Ich gehe damit um, indem ich mein Verordnungsverhalten schon seit Jahren immer wieder in Frage stelle. Ich habe als Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren. Das heißt, ich versuche eine abwartende Haltung bei der Verordnung im Umgang mit der Therapie durchzuziehen. Ich versuche das Kind zu sehen, sein Zustand zu sehen, ich versu-che Diagnostik wie Schnellteste, die ich zur Verfügung habe, anzuwenden – um dann diffe-renziert, wenn es tatsächlich eine bakterielle Infektion ist, die ich sicher diagnostizieren kann, das Antibiotika anzuwenden.“



Wo liegen Gründe für eine nicht fachgerechte Verordnung?



Dr. Petra von Saurma: „Die Gründe für nicht fachgerechte Rezeption von Antibiotika liegen sicherlich darin, dass man keine Zeit hat, sich mit dieser Situation auseinanderzusetzen. Viele Kollegen wenden möglicherweise – das ist jetzt meine Interpretation – keine Schnelltester an, ob das ein CAP, ein Blutbild oder auch ein, wie wir ihn in der Kinderheilkunde, Strep A Test anwenden. Dass man das nicht macht, weil es viel Zeit und auch Geld kosten kann. Weil man den Patient einfach zufrieden stellen will.“



Warum machen Sie bei „RESIST“ mit?



Dr. Petra von Saurma: „Ich mache bei „RESIST“ mit, weil Antibiotika für mich, seitdem ich als Kinderärztin arbeite, überhaupt als Ärztin, immer ein Thema sind – tagtäglich. Und weil ich finde, dass man sehr behutsam mit diesen sehr guten Medikamenten umgehen muss. Ich aber sehe, dass es in den letzten Jahren große Probleme mit der Anwendung der Antibiotika gibt – sprich Resistenzbildungen und Unverträglichkeiten. Deshalb habe ich mich sehr für dieses Projekt interessiert und möchte gern teilnehmen.“



Was ist das Wichtigste an dem Projekt?



Dr. Petra von Saurma: „Das Wichtigste an dem Projekt ist, dass das Verschreibungsverhalten der Ärzte einmal dokumentiert wird und man objektiv sieht, was passiert. Wie oft, warum, wieso verordnen Ärzte Antibiotika. Und auch als Ziel: Was können wir tun, damit wir besser mit der Verordnung umgehen. Das heißt, dass wir weniger Antibiotika aber sinnvoller Antibio-tika verschreiben.“



Was erhoffen Sie sich davon?



Dr. Petra von Saurma: „Was ich mir persönlich von dem Projekt erhoffe ist, dass ich mich nochmal sehr intensiv mit dem Thema Antibiotika beschäftigen kann. Dass ich noch einmal besser lerne, mich mit dem Patienten auseinanderzusetzen – auch diese Kommunikation zu schulen. Dass ich für mich daraus, mehr Erkenntnisse nochmal ziehe, wie ich sinnvoller mit dem Umgang von Infektionskrankheiten umgehen kann, ohne immer wieder in diese Schiene Antibiotika zu kommen. Dass ich das für mich nochmal reflektieren kann. Aber auch das ins-gesamt das Resultat ist, das Kollegen, das Mediziner ein Bewusstsein dafür bekommen, besser und fachgerechter mit Antibiotika umzugehen.“



Wo würden Sie sich noch Unterstützung wünschen?



Dr. Petra von Saurma: „Auf der einen Seite würde ich mir wünschen, dass es mehr Informa-tionen gibt über Resistenzentwicklung. Dass es mehr Informationen gibt über Möglichkeiten der Diagnostik und der Entstehung von Erkrankungen, eben das die meisten Genesen von Erkrankungen im Atemwegsbereich zum Beispiel viraler Genese sind. Diese Informationen fehlen scheinbar und sind nicht nachdrücklich da. Der zweite Wunsch, den ich habe: Das ich als Arzt mehr Zeit bekomme. Das ist ein Systemproblem. Dass mir einfach durch die Gebüh-renordnung und durch die Politik als Arzt mehr Zeit zur Verfügung gestellt wird, damit ich mich mit dem Patienten mehr auseinandersetzen kann, um besser arbeiten zu können und eine bessere Therapie zu machen.“

04.07.2017

Resistenzbildungen sind ein ernsthaftes Problem. Warum Ärzte sich damit auseinandersetzen sollten, sagt Kinder-und Jugendärztin Dr. Petra von Saurma. Sie selbst stellt ihr Verordnungsverhalten immer wieder in Frage und nimmt aus dieser Motivation heraus am Projekt „RESIST“ teil. Was sie sich davon verspricht und welche Erfahrungen sie im Umgang mit Antibiotika gemacht hat, verrät sie im Interview.


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Das Projekt „RESIST“ von KBV, acht Kassenärztlichen Vereinigungen und dem Verband der Ersatzkassen (vdek) soll die Zahl unnötiger Antibiotikaverordnungen in Deutschland weiter verringern, um so Resistenzbildungen vorzubeugen. Seit Anfang Juli können Ersatzkassen-Versicherte mit Verdacht auf einen Atemwegsinfekt im Rahmen dieses Versorgungskonzeptes behandelt werden. Zuvor schrieben sich etwa 3000 Ärzte aus acht KV-Regionen (Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe) in das Modell ein. Vorgesehen sind unter anderem Online-Schulungen für Mediziner und ein Instrumentenkoffer, der die Arzt-Patienten-Kommunikation mit Patienten-Flyern und Entscheidungshilfen unterstützen soll. „RESIST“ zeichnet sich durch einen niedrigschwelligen Ansatz nah am Versorgungsalltag aus und unterstützt so auch die Deutsche Antibiotika Resistenzstrategie (DART 2020) des Bundesgesundheitsministeriums.

 

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