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MRSA in Arztpraxen

Weit mehr als ein Krankenhausthema

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MRSA - so sieht der multiresistente Keim aus. Jedes Jahr infizieren sich allein in Deutschland bis zu 150.000 Menschen. Von ihnen stirbt jeder Zehnte an MRSA, so Schätzungen von Experten. Bekannt sind die Bakterien als Krankenhauskeim. Doch auch in Arztpraxen spielen sie eine große Rolle.

O-Ton Dr. Christiane Reichardt, Charité:
"Für den ambulanten Bereich haben wir überhaupt keine Zahlen, ob und wenn ja wie häufig dort eine Übertragung von MRSA stattfindet. Aber auch im niedergelassenen Bereich muss man als Arzt damit rechnen, dass ich wahrscheinlich sogar täglich mindestens einen Patienten habe der in meine Praxis kommt, der eine MRSA Kolonisation oder Infektion aufweist."“

Wie also in der eigenen Praxis mit MRSA-Patienten umgehen? Viele Gesundheitsämter bieten Beratungsgespräche vor Ort an. Nicoletta Wischnewski verfolgt den möglichen Weg eines MRSA-Patienten im Praxisablauf und gibt hilfreiche Tipps.

O-Ton Nicoletta Wischnewski, Gesundheitsamt Berlin-Charlottenburg:
"Der Arzt als niedergelassener Kollege hat eine ganz entscheidende Rolle hinsichtlich der Schnittstelle zwischen ambulanter Weiterversorgung. Das heißt also, der Hausarzt sollte die Information, wenn er weiß, dass er einen MRSA besiedelten Patienten hat und ihn in die Weiterbehandlung gibt, dass er diese Information des MRSA Trägertums auch weiter gibt. Das der Ergo-Therapeut weiß, dass der Patient MRSA besiedelt ist. Dann kann auch er wiederum entsprechende Präventionsmaßnahmen einleiten."
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Die Sektorenübergreifende Zusammenarbeit wird in Deutschland in über 120 Netzwerken organisiert. Außerdem wichtig im Kampf gegen multiresistente Erreger: konsequente Hygiene, ein sensibler Umgang mit Antibiotika und Patienteninformationen.

O-Ton Nicoletta Wischnewski, Gesundheitsamt Berlin-Charlottenburg: "Wir können mit der Netzwerkarbeit erreichen, dass wir Informationen auch an Angehörige weitergeben. So haben wir zum Beispiel ein Merkblatt für Angehörige, deren Kinder mit MRSA besiedelt sind, erarbeitet. Dass die einfach etwas in der Hand haben, um besser mit dem Problem MRSA im Alltag umgehen zu können."“

Bei gesunden Menschen richtet das Bakterium keinen Schaden an. Aber so wird es unbemerkt weiter getragen. Trifft der Keim dann auf ein angeschlagenes Immunsystem, hat er ein leichtes Spiel. Auch deshalb ist es unverzichtbar, nach jedem Patientenkontakt die Hände ordnungsgemäß zu reinigen.

O-Ton Dr. Christiane Reichardt, Charité und Aktion Saubere Hände: "Um sicher zu stellen, dass die Hände bei der Händedesinfektion auch komplett mit Händedesinfektionsmittel bedeckt sind, sollte man ausreichend nehmen. Das heißt, die hohle Hand sollte gefüllt sein und dann verreiben wir das Händedesinfektionsmittel. Alle Flächen müssen benetzt sein, mit besonderem Augenmerk auf Daumen, die Fingerspitzen mit der Nagelpfalz. Die Hände müssen 30 Sekunden vom Händedesinfektionsmittel benetzt sein. Sie sollten initial nass sein vom Händedesinfektionsmittel, so lange verreiben, bis die Hände trocken sind."

Fluoreszierendes Desinfektionsmittel ist unter der Schwarzlichtlampe sichtbar und damit kontrollierbar. Oben links: dunkle Flecken; also ungleichmäßige Desinfektion. Hier können Keime überleben und weitergetragen werden. Rechts ist das Mittel gleichmäßig verteilt. So hat der MRSA-Keim keine Chance.

06.03.2012

MRSA ist ein Krankenhauskeim. Doch auch in Arztpraxen sind resistente Erreger ein wichtiges Thema. Denn hierhin kommen MRSA-Infizierte zur ambulanten Nachsorge. Die Ansteckungsgefahr ist hoch. Aber Niedergelassene können einiges tun, um die Übertragungswege einzudämmen.