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Berufsmonitoring Medizinstudenten

Thema der Woche: Schlüsse aus der Studentenbefragung

Bewertung: 8.5

Länge: 4:57 min  |  KBV

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Thema Ärztemangel:

 

Schlüsse aus der Studentenbefragung

Wollen Medizinstudenten überhaupt noch Arzt werden?

 

Arzt werden wollen sie. Das sehen wir einerseits an den hohen Bewerberzahlen für den Medizinstudienplatz, andererseits aber auch an der hohen Zahl der Medizinstudenten. Aber wo wollen sie Arzt werden? Das ist die spannende Frage, die wir in der Medizinstudentenbefragung gestellt haben. Wir stellen fest, dass das Gros der jungen Kolleginnen und Kollegen, und es werden zunehmend mehr Frauen, die in den Medizinberuf hinein gehen, möchte in einer Gemeinschaftspraxis tätig sein, nicht in der Einzelpraxis. Lediglich 40 % der Befragten können sich vorstellen, in einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis tätig zu sein. Über 50 % sagen, nur Gemeinschaftspraxis kommt in Frage und lediglich 6 % können sich für eine Einzelpraxis entscheiden. Das heißt, neue Kooperationsformen sind angesagt. Wir müssen aber auch, zum zweiten Teil der Frage, feststellen, dass zunehmend andere Berufe gesucht werden, sei es im Bereich der Pharmazeutischen Industrie, sei es im Bereich der Krankenkassen, des medizinischen Dienstes. Auch der hat mittlerweile eine Attraktivität gewonnen, die in den vergangenen Jahren nicht so da war. Jeder 5. Befragte kann sich auch vorstellen, zum Beispiel im Medizinischen Dienst zu arbeiten.

 

Warum schreckt Niederlassung so viele ab?

Darauf haben die Studenten sehr offen und ehrlich geantwortet. Sie haben das in zwei Themenfelder gegliedert: "Was spricht gegen eine Arbeit im Krankenhaus?" Dabei wurde angegeben, das ist die hohe zeitliche Belastung, wenig Zeit für den einzelnen Patienten,

die starre Hierarchie in den Krankenhäusern und die Bürokratie, die auch hier Eingang gefunden hat im täglichen Leben der jungen Ärztin und des jungen Arztes im Krankenhaus. Bei den Niedergelassenen sind es die hohen Investitionskosten in eine Praxis, die schlechte Honorierung, dann natürlich auch die Bürokratie in den Arztpraxen und - und das hat uns sehr überrascht: 50% der Befragten sagen, dass die Regressandrohungen an eine niedergelassene Ärztin oder Arzt sie von einer Niederlassung abhalten. Sie sehen nicht ein, dass sie mit ihrem Privatvermögen für die Therapien, die sie Patienten verordnen, haften sollen.

 

Was unternimmt die KBV gegen den Ärztemangel?

Wir versuchen alles, diesen Beruf wieder attraktiv zu gestalten. Das Programm zur Förderung der Allgemeinmedizin und ca. 34 % der Befragten können sich immerhin noch vorstellen, Allgemeinmedizin zu machen, mit Förderung der Weiterbildung und deutlich höhere Vergütung seit Jahresanfang, haben wir verhandeln können mit den Krankenkassen, so dass eine junge Assistenzärztin, ein junger Assistenzarzt, die vom Krankenhaus, in die Weiterbildung Allgemeinmedizin wechseln, das gleiche verdienen wie letztendlich auch im Krankenhaus. Es gehört aber auch dazu, dass wir über die KVen versuchen, heute die Studentinnen und Studenten frühzeitig abzuholen. Wir müssen aber auch sehen, dass wir für die neuen Kooperationsformen offen sind. Über 50 % der Befragten können sich eben sehr gut vorstellen, in einer Gemeinschaftspraxis oder einem MVZ zu arbeiten. Hier ist man beim MVZ aber noch ein bisschen kritisch. 53 % der Befragten sagen, dass eine MVZ-Tätigkeit ihre ärztliche Freiheit einschränkt. die Kooperationsformen, die weiter möglich sind durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz, sehen aber auch hier Angestelltenverhältnisse in Praxen vor, Gründungen von Filialpraxen, sodass auch dünn besiedelte Gebiete versorgt werden können und auch der Tätigkeitswunsch von den zunehmenden Frauen im Medizinstudium mit Halbtagsstellen hier auch entgegengesetzt werden kann, den Beruf wieder attraktiv zu machen.

 

Reicht das aus?

Nein. Es müssen weitere Maßnahmen dazukommen. Wir werden uns einerseits weiterhin vehement dafür einsetzen, dass die Richtgrößenprüfungen nicht mehr stattfinden in Zukunft, dass hier nach evidenzbasierten Leitlinien behandelt werden kann. Das Thema Vereinbarkeit Familie-Beruf das in der Befragung eine große Rolle gespielt hat im Krankenhaussektor ist aber auch auf den niedergelassenen Sektor zu übertragen. Wir werden dafür auch Sorge tragen, dass die Honorierung transparent wird, einfach wird und auch Leistung sich widerspiegelt, sprich individuelle Tätigkeit. Die hohe Pauschalisierung, die wir heute im Honorar wiederfinden spiegelt das genau nicht wider. Praxisschwerpunkte wie z.B. auch Heimbetreuungen, Patienten mit multimorbiden Krankheiten ältere Bevölkerung, Betreuung von Singlehaushalten, das alles muss sich auch in einer entsprechenden Gebührenordnung wiederfinden. Und dafür setzen wir uns ein.

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