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Ärzte für Landarztpraxen

Stipendien der KV, des Landes und der AOK Sachsen-Anhalt

Bewertung: 8.7

Länge: 4:12 min  |  KBV

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1:

1:

Jenny Ziem, Medizinstudentin: Das Stipendium bedeutet für mich natürlich ein Stück Freiheit und ein Stück Unabhängigkeit. Weil sonst haben meine Eltern mich halt unterstützt. Und das konnte ich Ihnen jetzt abnehmen, diese Bürde. Also so ein Kind sechs Jahre lang im Studium zu unterstützen ist ja auch kein Zuckerschlecken.

Titel: Ärzte aufs Land – Stipendium in Sachsen-Anhalt

 

 

2:

Uwe Deh, Vorstandsvorsitzender der AOK Sachsen-Anhalt: Es gibt immer so ein bisschen ein Horrorszenario, erst hört der Arzt auf zu arbeiten, dann macht auch die letzte Einkaufsmöglichkeit dicht und dann sind wir im Dorf verlassen und irgendwann stirbt das Dorf. Genau gegen dieses Gefühl muss man gegen anarbeiten. Ich glaube, den Menschen ist sehr klar, dass es nicht alles in Zukunft so bleiben wird wie es jetzt ist. Und den Arzt in jedem Dorf um die Ecke wird es auch in Zukunft nicht mehr geben. Aber wir brauchen neue Antworten.

3:

Jenny Ziem, Medizinstudentin: Ich denke, dass für jeden die Medizin zugänglich sein sollte. Und darum habe ich mich jetzt eigentlich dafür entschieden, diesen Weg zu gehen, um einfach auch den Menschen da die Hilfe zu geben, wo sie sie brauchen.

4:

Dr. Burkhard John, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt: Bei uns sind über 250 Ärzte älter als 63 Jahre alt und der Bedarf an Ärzten in den nächsten drei bis fünf Jahren wird extrem steigen.

Frage: Ist ein Stipendium die Antwort?

5:

Dr. Burkhard John, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt: Ja wir hoffen, dass wir damit erstmal den Gedanken der Studenten, dass sie im hausärztlichen Bereich sich vielleicht später mal niederlassen können, überhaupt erstmal können. Das wäre extrem wichtig. Denn in Universitäten ist gerade die Allgemeinmedizin und der Gedanke Hausarztmedizin wenig vertreten. Und daher kommt ein Student gar nicht auf die Idee sich als Hausarzt perspektivisch niederlassen zu wollen.

6:

Jenny Ziem, Medizinstudentin: Das wird ganz oft vergessen, dass der Hausarzt heutzutage nicht nur Medikamentenverschreiber ist, sondern dass viele auch Probleme haben und jemanden brauche, der mal kurz zuhört und sich mal kümmert. Und das finde ich halt sehr schön, wenn man mit diesen Kleinigkeiten wirklich viel erreichen kann.

Frage: Was macht einen Ort attraktiv für die Niederlassung?

7:

Jenny Ziem, Medizinstudentin: Ich finde es schon ganz gut, wenn es natürlich eine genügend große Einwohnerzahl ist, dass man auch genug Patienten hat. Dann wäre es auch ganz gut, wenn die Infrastruktur so ist, dass man vielleicht eine Apotheke in der Nähe hat, dass die Leute sich auch die Medikamente holen können, eventuell sogar eine Physiotherapie, dass man weiß, mit wem kann ich zusammen arbeiten. Ein Zahnarzt wäre sicherlich auch nicht schlecht. Das so diese Basisversorgung gegeben ist. Und natürlich, ich meine, ich möchte ja auch mal Kinder haben, dass vielleicht zumindest eine Grundschule im Ort ist und man gute Verkehrsanbindungen hat.

8:

Uwe Deh, Vorstandsvorsitzender der AOK Sachsen-Anhalt: Auch das ist eine ganz wichtige Diskussion, weil oft heute im Medizinstudium so ein bisschen der Eindruck entsteht, das Schönste, Tollste ist der Facharzt, der in der Klinik arbeitet. Aber das Befriedigendste und auch das wichtigste ist doch die Sicherstellung der Versorgung für die Menschen, gerade da, wo sie gebraucht wird, in der Häuslichkeit, in der Nähe, in Ihrem Wohnumfeld. Sachsen-Anhalt ist ein guter Standtort für junge Mediziner. Und Sachsen-Anhalt ist auch der Standort, wo die Arbeit in der Fläche, auf dem Land Spaß machen kann und auch eine große Erfüllung bringen kann. Das ist mit Ziel des Stipendienprogramms, was AOK, KV und Landesministerium auf den Weg gebracht haben.

Frage: Und wie wurden Sie auf das Stipendium aufmerksam?

Jenny Ziem, Medizinstudentin: Ich habe halt davon im Radio gehört, da war ich gerade auf dem Weg nach Hause, ich war mit dem Auto in Magdeburg unterwegs, bin dann auch gleich umgekehrt und direkt zur KV gefahren und habe mich da vorgestellt am Tresen und habe dann auch gleich einen der ersten Bewerbungsbögen bekommen und habe den dann zu Hause in Ruhe ausgefüllt und dann abgeschickt. Und natürlich habe ich die ganze Zeit schon gewartet, ob es eventuell so ein Projekt mal geben würde und das hat sich dann ja auch Gott sei Dank gefunden.

 

 

10.03.2011

Sachsen-Anhalt braucht Niedergelassene – vor allem auf dem Land. Deshalb haben sich die Kassenärztliche Vereinigung, die AOK und das Gesundheitsministerium in Sachsen-Anhalt zusammengetan. Mit einem Stipendienprogramm wollen sie junge Ärzte in unterversorgte Regionen locken. Die Stipendiaten verpflichten sich im Gegenzug, eine bestimmte Zeit auf dem Land als Vertragsarzt zu arbeiten. KV-on hat nachgehakt, was das Stipendium den Teilnehmern bringt und ob es tatsächlich eine sinnvolle Maßnahme im Kampf gegen den Ärztemangel sein kann.


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19.10.2010  |  Länge: 3:56 min  |  KBV

Das Stipendienprogramm

Bis Ende 2013 stellen die Landesregierung, die AOK und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) insgesamt 900.000 Euro zur Finanzierung von bis zu 50 Stipendien zur Verfügung. Medizinstudenten können die Förderung bis zu drei Jahre erhalten.
Ab dem 4. Studienjahr bekommen sie monatlich 300 Euro, ab dem 5. Studienjahr 500 Euro und ab dem 6. Studienjahr 700 Euro.
Das Stipendium gibt es aber nur unter einer Bedingung: Bei einer Förderung von bis zu zwei Jahren verpflichtet sich der Student, nach der Weiterbildung für zwei Jahre als Vertragsarzt in einer unterversorgten Region im Land zu arbeiten. Wird ein Student länger gefördert, verpflichtet er sich für drei Jahre.
Bewerben können sich übrigens Studenten aus ganz Deutschland, die sich mindestens im 4. Studienjahr befinden.

 

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