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Thema der Woche vom 12. August 2011: Hörscreening ab 50
Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:
Wir möchten das Hörscreening als gesetzliche Früherkennungsmaßnahme, weil wir davon viel halten. Weil es tatsächlich Folgekosten eindämmen kann. Weil es eine sinnvolle Früherkennungsmaßnahme ist und weil wir hier rechtzeitig eine Krankheit entdecken können, die eine Volkskrankheit ist bei 14 Millionen Menschen, die davon betroffen sind.
Prof. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik (IfG):
Wir schätzen, dass, wenn wir ein solches Früherkennungsprogramm für Hörstörungen in Deutschland durchführen würden, das mit dem 50. Lebensjahr beginnt, wir pro Behandlungsfall, pro Früherkennungsmaßnahme etwa 22 Euro einsetzen. Wir würden insgesamt den doppelten Wert, also 40 Euro zurückerhalten, wobei die Krankenkassen von den 40 Euro etwa 30 Euro zurückerhalten und dann im Nettoeffekt 10 Euro pro Behandlungsfall einsparen könnten. Und das sind Summen, die wir uns nicht verloren lassen gehen sollten, denn die Finanzlage ist ja, wie wir wissen, auch in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht so üppig.
Dr. med. Dirk Heinrich, Präsident des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte
Von Hörstörungen, von Schwerhörigkeit sind etwa 14 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Das führt dazu, dass die Menschen an der Kommunikation nicht mehr teilnehmen können. Viele Menschen geraten dadurch in eine soziale Isolation. und das führt dazu, dass Depressionen aber auch Demenzerkrankungen oder auch Verletzungen durch Stürze zunehmen und als Folgekrankheiten von Schwerhörigkeit gelten. Leider ist es immer noch so, dass Hörgeräte eine gewisse Stigmatisierung haben oder so empfunden werden. Es ist nicht wie bei der Brille, die allgemein als modisches Accessoire schon akzeptiert ist. Sondern Schwerhörigkeit wird immer noch mit Behinderung und mit negativen Dingen besetzt. Daran muss gearbeitet werden. Schwerhörigkeit ist ein Phänomen, dass Millionen betrifft, das enorm wichtig ist für die Kommunikation, für die gesellschaftliche Teilhabe an allen Dingen des Lebens. Und da muss am Image gearbeitet werden, da muss aufgeklärt werden und wir müssen die Dinge frühzeitig erkennen. Weil nur die frühzeitige Erkennung von Schwerhörigkeit dazu führt, dass die zentralen Hörbahnen, die Regionen im Gehirn, die fürs Hören verantwortlich sind, nicht degenerieren. Was wiederum dazu führt, wenn man spät versorgt, eben eine Hörgeräteversorgung auch medizinisch keinen Sinn mehr macht, weil es nicht mehr funktioniert.
12.08.2011
Das Leben mit allen Sinnen begreifen nicht allen ist dies vergönnt. Rund 14 Millionen Menschen leiden an Hörschäden; Tendenz steigend. Regelmäßige Hörtests würden nicht nur Betroffenen nützen. Krankenkassen etwa könnten langfristig Geld sparen, da Folgeerkrankungen vermieden würden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Bundesverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte fordern deshalb, das regelmäßige Hörscreening ab 50 als Kassenleistung aufzunehmen. Eine Vorsorge-Idee für alle Sinne und mit Sinn und Verstand.
Das Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) hat in einer Studie die volkswirtschaftliche Bedeutung von Hörschäden und die Möglichkeiten zur Reduktion von Folgekosten untersucht. Demnach könnten Krankenkassen rund 80 Millionen Euro im Jahr 2020 einsparen, wenn bald ein Hörscreening eingeführt würde. Die KBV empfiehlt dies für die Altersgruppe ab 50, denn je früher ein Hörschaden festgestellt wird, desto nachhaltiger kann dem Patienten geholfen werden.